Montag, 12. Juli 2010

Von Sue Monk Kidd

aus dem Buch: Schule des Lebens:

Unsere Regionalzeitung brachte das Bild eines hauses mit eingefallenem Dach. Das Wohnzimmer war hüfthoch mit Schnee bedeckt. Auf dem Sofa, den Stühlen und Tischen- überall lag Schnee. Die Bildlegende lautete: "Wochenlanger Schneefall lässt Dach einstürzen". Der Besitzer hatte tatenlos zugesehen, wie der Schnee sich auftürmte, bis alles plötzlich herunterkam.
Es ist natürlich einfach, über solche Nachlässigkeit den Kopf zu schütteln. Aber mir ist dasselbe schon mit meiner Wut passiert. Sie sammelte sich an- eine stille Gereiztheit hier, ein unterdrückter Ärger da-, bis das Dach überlastet war und bereit, über jemandem zusammenzukrachen.
In Abwandlung des Sprichwortes könnte man auch sagen: Wut ist ein schlechtes Ruhekissen. Man sollte sich ihrer noch vor dem Zubettgehen entledigen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, sie täglich wegzuschaufeln.

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